Richard David Precht inszeniert sich seit Jahren als öffentlicher Intellektueller, als Philosoph mit umfassendem Blick auf Gesellschaft, Ethik und Wissenschaft. Doch hinter der glänzenden Fassade seiner Rhetorik verbirgt sich ein beunruhigendes Muster: konzeptuelle Verwirrung, der Missbrauch wissenschaftlicher Begriffe und argumentative Trugschlüsse, geschickt als Einsicht verkleidet. Ein genauer Blick auf seine öffentlichen Äußerungen, insbesondere während der Corona-Pandemie und in aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten, offenbart nicht einen visionären Denker, sondern einen gescheiterten Wissenschaftskommentator, einen rhetorischen Populisten und einen intellektuellen Hochstapler, der sich weit über seine fachliche Reichweite hinausbewegt.
1. Der gescheiterte Wissenschaftsphilosoph
Prechts Versuche, sich zu wissenschaftlichen Themen zu äußern, besonders während der COVID-19-Pandemie, waren nicht nur fehlerhaft, sondern irreführend. Seine Behauptung, Virolog*innen und Epidemiolog*innen hätten die politische Diskussion übernommen, beruhte auf einem fundamentalen Missverständnis darüber, wie Wissenschaft und öffentliche Gesundheit in einer Krise funktionieren. Wie Michael Blume in Spektrum.de treffend formulierte: “Precht überschätzt in arroganter Weise seine Kompetenz in wissenschaftlichen Fragen.“ Er gibt sich als wissenschaftlicher Kritiker, ohne grundlegende Unterscheidungen zu verstehen, etwa zwischen Korrelation und Kausalität oder die vorläufige Natur wissenschaftlicher Erkenntnis. Seine Kritik, die Pandemiebekämpfung sei von einer engen Expertokratie gesteuert worden, entbehrt sowohl empirischer Fundierung als auch begrifflicher Klarheit. Was Precht außerdem zu fehlen scheint, ist eine elementare Form der erkenntnistheoretischen Bescheidenheit: Statt fundierter Analyse präsentiert er große Erzählungen, speist Skepsis mit Anekdoten und ersetzt systemisches Verständnis durch selbstbewusste Behauptungen.
2. Der Populist im Philosophenmantel
Prechts öffentliches Auftreten lebt von rhetorischer Eleganz. Er ist, wie die GWUP schreibt, ein „Meister der Scheinargumente“. Seine Sprache klingt nach Tiefe, doch bei genauerer Betrachtung verbirgt sie eine Vielzahl logischer Fehler: falsche Dichotomien, Dammbruchargumente und Strohmänner sind feste Bestandteile seiner Argumentationsweise. So suggeriert er immer wieder, jede Kritik an „woker Politik“ sei ein legitimer Widerstand gegen eine übergriffige Moralisierung und verkennt dabei vollständig die Vielfalt innerhalb progressiver Diskurse. Wie Moment.at festhält, übernimmt Precht in seinem “Wokeismus”-Narrativ auffällig diskursive Muster der extremen Rechten: „Er übernimmt diskursive Muster, die längst von rechten Meinungsmachern stammen.“ Diese rhetorische Mimikry verschleiert nicht nur die Substanz seiner Aussagen, sie bringt ihn in gefährliche Nähe zu ideologischen Strömungen, die er offiziell ablehnt. Precht inszeniert sich als ausgewogener Denker, während er Zerrbilder konstruiert und mit intellektuellen Kurzschlüssen kokettiert. Seine Fähigkeit, Voreingenommenheit als kritisches Denken erscheinen zu lassen, gibt seinen Zuhörer*innen das trügerische Gefühl intellektueller Tiefe.
3. Der selbsternannte Universalexperte
Ob Neurowissenschaft, Soziologie, Virologie oder Medienkritik, Precht spricht, als wäre jedes dieser Fachgebiete sein eigenes. Doch seine Ausflüge in diese Disziplinen zeigen immer wieder grundlegende Wissenslücken. Ein besonders auffälliges Beispiel ist seine Aussage im Podcast Lanz & Precht, dass „früher war es Konsens, dass das Gehirn mit 25 ausgewachsen ist“, die er nutzt, um weitreichende (und falsche) Aussagen über Generationenpsychologie abzuleiten. Übermedien entlarvt solche Behauptungen als typisch für „Halbwissen, das mit Autorität vorgetragen wird“. Wiederholt bedient sich Precht seiner charismatischen Ausstrahlung und seines literarischen Renommees, um spekulative Behauptungen als empirisch gesichert erscheinen zu lassen. Doch wie Kritiker immer wieder betonen, steht seine Selbstsicherheit im umgekehrten Verhältnis zu seiner tatsächlichen Expertise. Sein intellektuelles Selbstmarketing verdeckt eine Unfähigkeit, oder einen Unwillen, zur genauen Auseinandersetzung mit den komplexen Themen, die er scheinbar durchdringt.
Fazit: Eine Persönlichkeitsshow statt Präzision
Richard David Precht ist weniger Philosoph als Performancekünstler, ein populistischer Intellektueller, der mit Stil verführt, aber wenig Substanz liefert. Seine Kritiker streiten nicht über Details, sondern decken ein Muster epistemischer Verantwortungslosigkeit auf. Ob in der missbräuchlichen Anwendung wissenschaftlichen Denkens, der inflationären Nutzung rhetorischer Tricks oder der dauerhaften Überdehnung seiner Kompetenzen: Precht steht exemplarisch für die Gefahr des Pseudo-Intellektualismus, der sich als Weisheit tarnt.
Oder wie es die GWUP treffend formulierte:
„Er irrt – aber mit Überzeugung.“
Und vielleicht liegt genau darin das eigentliche Risiko.
Quellen: